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23. Juni 2026

Bálint Kopasz: "Wenn man das Finale erreicht, sollte man sich wie ein Mann verhalten"

Der Olympiasieger, viermalige Weltmeister und dreimalige Europameister in der Königsdisziplin (K-1 1000m), Bálint Kopasz, ist mit seiner Silbermedaille bei der EM im portugiesischen Montemor-o-Velho grundsätzlich zufrieden. Dennoch äußerte er scharfe Kritik am Sieger: Der Weißrusse Uladzislau Kravets habe auf eine Weise gewonnen, die eines echten Champions unwürdig sei. Das Portal Nemzeti Sport führte ein ausführliches Interview mit dem Spitzenathleten von Patent Győr.

Das Interview zur Kanu-Europameisterschaft

Rückschlag im Zweier und Fokus auf die Heim-Qualifikation

Nemzeti Sport: Ende letzten Jahres haben Sie angekündigt, in dieser Saison wieder im Zweier-Kajak (K-2) anzugreifen und sich mit Márk Opavszky für die internationalen Wettbewerbe qualifizieren zu wollen. Kurz vor der nationalen Qualifikationsregatta im April haben Sie sich jedoch dagegen entschieden. Was ist passiert?

Bálint Kopasz: Im Dezember lief unser gemeinsames Trainingslager in Serbien hervorragend. Da haben wir beschlossen, den Zweier dieses Jahr ernsthaft anzugehen. Im Frühjahr hatte Márk dann leider mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und fühlte sich ziemlich schwach. Wir haben drei gemeinsame Trainingseinheiten auf dem Wasser absolviert. Da wir genau wissen, wie extrem leistungsstark das nationale Feld in Ungarn ist, haben wir schnell eingesehen, dass unsere Form in dieser Konstellation einfach nicht ausreichen würde. Im gegenseitigen Einvernehmen haben wir beschlossen, das Projekt K-2 vorerst auf Eis zu legen. Das bedeutet aber nicht das Ende für unser Team – wir verschieben es lediglich auf einen späteren Zeitpunkt.

Nemzeti Sport: Somit blieben für Sie die K-1 500 und 1000 Meter bei der Qualifikation in Szeged. In beiden Disziplinen haben Sie souverän Gold geholt.

Bálint Kopasz: Richtig. Wir haben in der Vorbereitung einen noch größeren Fokus auf die Grundlagenausdauer gelegt. Mein Kalkül war, dass es mir dadurch leichter fallen würde, die nationale Konkurrenz zu dominieren als noch im Vorjahr. Ich habe einen deutlich härteren Trainingszyklus hinter mir, blieb dabei aber glücklicherweise komplett von Verletzungen und Krankheiten verschont. Meine Erwartungen haben sich vollauf bestätigt – ich konnte souveräne Siege einfahren.

Formkurve und das neue Rennboot in Szeged und Brandenburg

Nemzeti Sport: Beim Weltcup in Szeged reichte es dann für Silber – nur acht Hundertstelsekunden hinter dem portugiesischen Ausnahmeathleten Fernando Pimenta. Beim darauffolgenden Weltcup in Brandenburg standen Sie ganz oben auf dem Podest. Wie bewerten Sie diese Rennen?

Bálint Kopasz: Ich war bei beiden Regatten in einer extrem starken Form. Vor heimischem Publikum in Szeged, auf meiner absoluten Lieblingsstrecke, konnte das Ziel natürlich nur der Sieg sein. Ich bin auch eine überragende Zeit gefahren, aber Pimenta war an diesem Tag in einer geradezu genialen Verfassung. Es hat wirklich nur ein Wimpernschlag gefehlt. Wir liefern uns nun seit gut zehn Jahren packende Duelle und haben schon unzählige Rennen bestritten, bei denen am Ende nur Zentimeter über Sieg oder Niederlage entscheiden. Diesmal schlug das Pendel eben zu seinen Gunsten aus.

Brandenburg lief dann sogar besser als erwartet. Die kühlen Bedingungen dort kommen mir normalerweise nicht so entgegen – man kann fast sagen, wir sind unter extremen Wetterbedingungen gefahren. Dennoch habe ich das Rennen hervorragend umsetzen können. Dabei hat sicherlich auch geholfen, dass ich dort bereits in meinem neuen Rennkajak gesessen habe. Das neue Modell ist etwas voluminöser und vom Rumpf her spürbar schneller als mein altes Boot.

Materialpech und Bootsschaden in Portugal

Nemzeti Sport: Soweit ich weiß, gab es bei der Europameisterschaft in Portugal allerdings erhebliche Materialprobleme mit genau diesem neuen Boot...

Bálint Kopasz: Ja, leider. Durch die Nähe zum Ozean hatten wir ständig mit sehr starken Winden zu kämpfen. Nach meinem Aufwärmprogramm habe ich mein Boot neben dem einer Kanutin auf den Bootsständern abgelegt und ordnungsgemäß festgebunden. Das ist ein völlig normaler Vorgang – man legt die Boote dort ab, wo gerade Platz ist. Als sie jedoch ihr Boot später wegnahm, hat sie meines nicht wieder fixiert. Eine starke Windböe erfasste mein Kajak sofort und warf es vom Gestell.

Der Bug ist dabei komplett aufgerissen. Das passierte ausgerechnet einen Tag vor dem Wettkampf – ein mentaler Tiefschlag. Ich habe das Boot sofort zum Hersteller gebracht, der vor Ort war. Die Reparatur war optisch perfekt, der Riss war kaum noch zu sehen. Aber als ich am nächsten Tag aufs Wasser ging, stand plötzlich Wasser im Cockpit. Es gab also noch eine undichte Stelle. Den Vorlauf musste ich in diesem Zustand bestreiten, aber für die weiteren Rennen brauchte ich zwingend ein neues Boot. Jeder Athlet weiß: Kein K-1 ist exakt wie der andere. Ich bekam ein Ersatzboot mit völlig anderen Stemmbrett- und Sitzeinstellungen. Das hat der Herstellerfirma und mir ziemliches Kopfzerbrechen bereitet und mich aus dem Konzept gebracht. Gut möglich, dass mir genau diese fehlenden Nuancen am Ende den EM-Titel gekostet haben.

Das EM-Finale: Wellenreiten und sportliche Fairness

Nemzeti Sport: Im EM-Finale lagen Sie bei der 500-Meter-Marke noch auf Platz vier. Dann haben Sie eine furiose Aufholjagd gestartet, Titelverteidiger Pimenta überholt – doch aus dem Nichts schnappte sich der Weißrusse Uladzislau Kravets die Goldmedaille.

Bálint Kopasz: Mit meiner reinen physischen Leistung bin ich grundsätzlich zufrieden, mit dem Resultat natürlich nicht, denn ich wollte unbedingt gewinnen. Es war ein gutes Gefühl, Pimenta zu schlagen, weniger gut war allerdings die Art und Weise, wie sich der Weißrusse das Gold gesichert hat.

Was er dort taktisch gemacht hat, war nicht schön. Er saß fast das ganze Rennen über voll auf der Welle von Pimenta. Er hat dessen Heckwelle genutzt, die einen enormen hydrodynamischen Sogeffekt erzeugt. So konnte er hunderte Meter quasi kraftsparend mitsurfen. Dadurch hatte er auf den letzten Metern deutlich mehr Energiereserven für den Endspurt als wir anderen. Rein vom Reglement her ist das leider nicht verboten, aber aus meiner Sicht ist es unsportlich. Die 1000 Meter K-1 sind die Königsdisziplin! Wenn jemand das Finale erreicht, sollte er Manns genug sein, sein eigenes Rennen zu fahren, anstatt sich auf der Welle ins Ziel ziehen zu lassen. So ein Verhalten ist eines Champions nicht würdig.

Fokus auf die Weltmeisterschaft und Saisonausblick

Nemzeti Sport: Wie geht es für Sie im weiteren Saisonverlauf weiter?

Bálint Kopasz: Wir starten diese Woche in einen achtwöchigen, sehr intensiven Vorbereitungsblock für die Weltmeisterschaft. Der Trainings- und Belastungsplan steht komplett. Es wird eine extrem harte Phase, besonders weil die aktuelle Sommerhitze das Herz-Kreislauf-System zusätzlich massiv fordert. In enger Abstimmung mit dem ungarischen Cheftrainer Dávid Tóth haben wir entschieden, den Weltcup im kanadischen Montreal im Juli auszulassen. Eine Unterbrechung dieses wichtigen Trainingsblocks wäre kontraproduktiv. Unser absoluter Fokus liegt auf der WM in Posen Ende August. Ich bin zuversichtlich, dass ich dort wieder in absoluter Topform antreten kann. Das klare Ziel lautet, in einem stetig stärker werdenden internationalen Feld wieder auf dem Podium zu stehen.

Quelle: Nemzeti Sport / Bence Krasznai

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