Szeged ist nicht einfach nur eine Regattastrecke. Es ist das Wimbledon des Kanusports.

Insider wissen:

Das "schwere" Wasser: Der Maty-ér ist kein schneller Fluss. Das Wasser steht. Es ist "hartes" Wasser. Du bekommst nichts geschenkt. Wenn du hier gewinnen willst, musst du das Wasser "zerreißen".

Die Lautsprecher-Stimme: Wer einmal dort war, hat für immer die Stimme des ungarischen Stadionsprechers im Ohr, der die Namen nicht vorliest, sondern zelebriert. Wenn er "Magyarország" ins Mikrofon brüllt, vibriert das Wasser.

Der Tunnelblick ab 200m: Auf anderen Strecken hörst du die Zuschauer erst im Ziel. In Szeged beginnt das Dröhnen ("Hajrá!") schon bei der 500m-Marke. Aber auf den letzten 200 Metern verwandelt sich die Tribüne auf der rechten Seite in eine massive Wand aus Lärm. Es ist, als würdest du in eine Flugzeugturbine fahren.

Die Wind-Lotterie: Wir alle kennen den berüchtigten Seitenwind, der manchmal Bahn 1 zum Friedhof und Bahn 9 zum Königsmacher macht – oder umgekehrt.

Maty-ér: Mehr als nur Wasser

Warum Szeged für mich nicht nur ein Wettkampfort, sondern Heimat war.

Viele kennen die "olympische" Seite von Szeged – die vollen Tribünen und das Gold. Aber ich kenne die andere Seite. Ich habe fünf Jahre lang in dieser Stadt gelebt und war stolzes Mitglied im benachbarten Szegedi Kajak-Kenu Klub. Für uns war der Maty-ér kein Ausflugsziel, sondern unser tägliches Wohnzimmer.

Die perfekte Infrastruktur (für die, die trainieren): Die Strecke ist ein technisches Meisterwerk. Mit einer Gesamtlänge von ca. 2.500 Metern bietet sie Bedingungen, von denen man anderswo nur träumt.

Das Kanalsystem: Was Zuschauer kaum sehen: Es gibt einen separaten Hochpaddel-Kanal. Über die strategischen Durchbrüche bei 200m, 500m und 1000m kannst du deine Intervalle präzise steuern, ohne den Verkehr auf der Hauptbahn zu stören.

Training an Land: Die Strecke ist komplett von Wegen flankiert – perfekt für die Einheiten in Laufschuhen. Ob Aufwärmen oder Trainerbegleitung auf dem Rad, die Infrastruktur endet nicht am Ufer.

Der Kampf um das Wasser (Die Historie): Doch diese Idylle musste erkämpft werden. Der Maty-ér ist eigentlich ein ehemaliger toter Arm der Theiß (Tisza), der zum Fischteich und später zur Regattastrecke umgebaut wurde. Ich erinnere mich noch gut an die rauen Anfangszeiten und die Geschichten der "Alten": Die Strecke war ursprünglich das Hoheitsgebiet der Fischer. Wir Kanuten waren Eindringlinge. Es gab Zeiten, da wurde unser Training nicht mit Applaus, sondern mit verbaler Aggression und fliegenden Steinen begleitet. Die Angler verteidigten ihr Revier mit Gewalt. Dass wir heute dort in Frieden trainieren können, ist das Ergebnis eines langen Kampfes um Akzeptanz.

Mein Szeged: Wenn ich heute an die Strecke zurückdenke, sehe ich nicht nur die Ziellinie. Ich sehe die 2.500 Meter langen Teich, die harten Wintereinheiten im Verein und die Entwicklung von einem "Fischer-Teich" zum besten Kanu-Stadion der Welt.

Ich war nicht nur Gast. Ich war einer von dort. Und genau diese Mischung aus lokaler Härte, ungarischer Leidenschaft und Weltklasse-Technik gebe ich heute in meinem Training weiter.

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