Den Kurs festlegen: Warum Zielsetzung für junge Kanuten der Schlüssel zum Erfolg ist
Im Kanusport ist es wie auf dem Wasser: Wer kein Ziel anvisiert, treibt im Kreis. Die Zielsetzung ist einer der stärksten Motoren für die sportliche und persönliche Entwicklung eines Kindes. Doch damit Ziele wirklich Flügel verleihen, müssen sie richtig gesetzt und verankert werden.
Weitere Themen:
Die goldene Regel: Es muss das Ziel des Kindes sein
Der wichtigste Grundsatz in meiner Arbeit lautet: Das Ziel gehört dem Kind. Oft neigen wir als Erwachsene – sowohl Trainer als auch Eltern – dazu, unsere eigenen Ambitionen auf die Kinder zu projizieren. Wir dürfen und sollen die Kinder beeinflussen, indem wir ihnen Möglichkeiten aufzeigen, sie inspirieren und ihnen den Horizont erweitern. Aber am Ende müssen wir die Entscheidung des Kindes akzeptieren.
Wenn ein Kind sagt: „Ich möchte dieses Jahr die Kenterrolle perfekt beherrschen“, ist das wertvoller als ein von den Eltern diktierter „Sieg bei den Norddeutschen Meisterschaften“.
Nur ein selbst gewähltes Ziel erzeugt die nötige Eigenmotivation (intrinsische Motivation), um auch an regnerischen Tagen mit Freude ins Boot zu steigen.
Planungshorizonte: Wie weit sollten Kinder vorausplanen?
In der Arbeit mit Kindern ist das Zeitgefühl ein anderes als bei Erwachsenen. Eine zu starre 4-Jahres-Planung ist für ein Kind oft zu abstrakt. Wir arbeiten daher in Stufen:
Kurzfristig (Wochen/Monate): Greifbare Ziele wie Technikverbesserungen (z.B. „Ruhiger Ellenbogen“) oder Fitnesswerte.
Mittelfristig (Die Saison): Die Teilnahme an einer bestimmten Regatta oder das Erreichen eines Finales.
Langfristig (1-2 Jahre): Träume wie die Aufnahme in einen Kader oder der Umstieg in eine höhere Bootsklasse.
Weiter als zwei Jahre vorauszuplanen, ist für Kinder meist wenig effektiv, da sich in der Pubertät Interessen und körperliche Voraussetzungen schnell ändern können.
Die Kraft der Visualisierung: Aus dem Kopf, an die Wand
Die Praxis zeigt immer wieder: Ein Ziel, das nur im Kopf existiert, wird leicht vergessen. Ein Ziel, das geschrieben steht, wird zur Verpflichtung gegenüber sich selbst.
Ich empfehle meinen Sportlern dringend, ihre Ziele aufzuschreiben und an Orten aufzuhängen, an denen sie täglich vorbeikommen:
Im Spind beim Bootshaus: Als direkter Fokus vor dem Training.
Zu Hause am Schreibtisch: Als Erinnerung an die Disziplin.
Am Badezimmerspiegel: Damit das Ziel das Erste ist, was man morgens sieht.
Diese ständige visuelle Präsenz hilft dem Unterbewusstsein, sich auf den „ungeschliffenen Diamanten“ zu konzentrieren, der in jedem Sportler steckt. Es erinnert das Kind daran: „Dafür trainiere ich heute.“
Fazit für Eltern und Trainer
Unsere Aufgabe ist es, den Rahmen zu schaffen und die Werkzeuge zu liefern. Wir sind die Navigatoren, aber das Kind ist der Kapitän. Wenn wir die Ziele der Kinder akzeptieren und sie dabei unterstützen, diese sichtbar zu machen, fördern wir nicht nur bessere Sportler, sondern starke, selbstbewusste Persönlichkeiten.
